Cichlidenfreunde Emsbüren e.V.

Das Biotop Malawisee

Einige Millionen Jahre soll der Malawisee alt sein. Er ist damit jünger als der Tanganjikasee, dessen Alter auf rund 10 Millionen Jahre geschätzt wird. Der Malawisee ist seit ca. 2 Millionen Jahren isoliert. Er ist ungefähr 600 km lang und an einigen Stellen bis zu 80 km breit.

Der Malawisee ist ein Grabenbruchsee. Durch Anhebung des umliegenden Geländes des Grabenbruchs liegt seine Wasseroberfläche 472 m über dem Meeresspiegel. Die Gesamttiefe beträgt 700 m. Der einzige Abfluss des Malawisees ist der Shire-River,der zunächst in den Lake Malombe einfließt, später aber im Zambesi mündet. Aktuelle Untersuchungen haben ergeben, dass der Wasserstand des Malawisees vor 25000 Jahren rund 400 m unter dem heutigen Stand lag. Im Gegensatz zum Tanganjikasee blieb der See bei Wasserniedrigstand ungeteilt. Der abgesunkene Wasserspiegel führte zu einer Verkleinerung des Lebensraumes. Dieser Umstand wird als auslösender Faktor für die zunehmende Spezialisierung der Cichlidenfauna angesehen. Die zunehmende Anpassung an die Umwelt erfolgte insbesondere durch bestimmte Maul- und Gebißausbildungen. Daduch wurde eine unterschiedliche Nahrungsaufnahme und Spezialisierung möglich. Das heutige Cichlidenvorkommen im Malawisee wird auf über 650 Arten geschätzt.

Der Malawisee weist an fast allen Stellen kristallklares Wasser auf. Die Unterwassersicht kann bis zu 25 m betragen. Die einzelnen Uferabschnitte des Sees bestehen aus Sandbänken und felsigen Küstenregionen. Im Felslitoral sind die meisten für die Aquaristik interessanten Cichliden beheimatet. Cichliden besiedeln hauptsächlich die Flachwasserzonen, in tieferen Zonen ab 10 m nimmt ihre Zahl deutlich ab und über 20 m sind nur noch wenige Arten anzutreffen. In dem dicht besiedelten Felslitoral nahe der Küste wurden durchschnittlich 6-7, manchmal bis zu 12 Fische pro Quadratmeter gezählt. Möglich wird eine derart dichte Besiedlung durch ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Die meist stark veralgten Felsen sind mit unzähligen Kleintieren besiedelt. Die Auszählung eines Quadratmeters dieses Aufwuchses ergab, dass bis zu 30000 Organismen in ihm leben. Zu den Organismen gehören vorwiegend Muschelkrebse, Zuckmückenlarven und Ruderfußkrebse.

Die für die Aquaristik interessanten Cichliden sind vorwiegend im ufernahen Litoral zu finden. Diese können in folgende Bereiche aufgeteilt werden:

Das Felslitoral: Die in diesen Felsabschnitten lebenden Cichliden sind gekennzeichnet durch bestimmte Lebensgewohnheiten und Eigenheiten im Verhalten. Für diese Bundbarsche wurde der Name “Mbuna“ von den einheimischen Fischern übernommen. Die meisten Mbuna werden rund 10 cm groß. Während der Paarungszeit, die an keine feste Jahreszeit gebunden ist, verteidigen die Männchen kleine Reviere. Mbunas erweisen sich als äußerst standorttreu. Das Revier wird nur selten verlassen um einen Rivalen aus dem Feld zu schlagen. ZU den Mbunas sind vor allem Pseudotropheus-, Labeotropheus-, Melanochromis- und Petrotilapiaarten sowie Haplochromis zuzurechnen (z.B. Chilotilapia euchilus). Bei Gefahr schlüpfen Mbuna in die nächstgelegenen Spalten. Auch jetzt wird der Standort nicht verlassen.

Die Übergangszone: Nach dem Felslitoral folgt eine Übergangszone von Sand- und Felsbiotop. Hier ist der Sandboden in größeren Abständen mit Vallisnerienbeständen bewachsen, manchmal auch mit Hornkraut. Vertreter der Übergangszonen sind die Auloncaraarten. Die große Gattung Auloncara teilt sich in zwei verschiedene Artguppen auf. Die im Handel befindlichen Arten entsprechen meist der kleiner bleibenden Gruppe. Sie weist gleichzeitig die farblich schöneren Auloncaraarten auf. Der Auloncara der Übergangszone sucht nachts Schlafhöhlen auf. Ebenso wie bei vielen Mbunas findet die Paarung in Höhlen statt. Tagsüber wird Essbares aus dem Sand heraus gekaut. Auch der feine Sand enthält größere Mengen von winzigen Krebsen, Zuckmückenlarven, Ruderfuß- und vor allen Dingen Muschelkrebse. Valisnerienfelder enthalten zusätzlich Schnecken und Muscheln, eine Garnelenart sowie verschiedene Larven von Insekten. In der Übergangszone, sowie auch im küstennahen Sandlitoral, sind auch Arten von Haplochrominen und Lethrinops zu finden. Sie suchen jedoch auch häufig das Freiwasser auf. Bei Gefahr versuchen sie in wilder Flucht zu entkommen. Fossorochromis rostratus kann sich bei Gefahr auch im Sand vergraben.

Die Schilfzone: Die Röhrichtzonen dienen Vögeln als Brutplätze. Gleichzeitig finden hier viele Buntbarsche Schutz vor Vögeln. Ausschließliche Bewohner dieses Biotops kommten nicht festgestellt werden. Am stärksten hat sich jedoch Dimidichromis compressiceps an die Röhrichtzone angepast. Der bis 25 cm große Cichlide lauert Jungtiere verschiedener Oreochromisarten hier anzutreffen. Sie bilden teilweise große Schwärme.

Das tiefe Wasser: Im tieferen Wasser ist die Gruppe der Utakacichliden beheimatet. Auch dieser Begriff wurde von einheimischen Fischern übernommen. Als Utaka wird eine Gruppe von rund 20 Haplochrominen bezeichnet, die sich durch das einsaugen von Zooplankton ernähren Copadichromis mioto, Copadichromis flavimanus. Für die Futtersuche werden jedoch auch Ufer nahe Biotope aufgesucht.

Die Freiwasserzone: Vertreter der tieferen Freiwasserzone sind die Arten der Cichlidengattung Rhamphochromis mit rund 10 Arten. Es handelt sich bei diesen Arten ausschließlich um bis zu 50 cm große Buntbarsche die räuberisch leben.

 

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