Cichlidenfreunde Emsbüren e.V.

Bau einer Aquarienrückwand

Eine Bauanleitung von Wilhelm Bloemen

Die Idee zum Bau einer Rückwand kam mir, weil ich ein Deltabecken besitze und es keine 3D-Rückwände für Deltabecken gibt.
Hässliche Stückeleien aus herkömmlichen Rückwandformen mit Korrekturen aus breiten Silikonfugen fand ich nicht wohnzimmertauglich.
Nach vielen Versuchen hatte ich eine Methode gefunden die letztlich erfolgreich war.
Ich habe versucht diese Anleitung so detailliert wie möglich zu schreiben, auch wenn es an manchen Stellen nervig sein kann.
Hiermit sollte es jedem, aber auch wirklich jedem, möglich sein eine beingeile Rückwand zu bauen.
Geht man dabei Schritt für Schritt vor, muss zwangsläufig ein Superergebnis herauskommen.
Durch diese Anleitung versuche ich zu verhindern, dass andere noch einmal so viel Lehrgeld bezahlen wie ich.
Die Kubikmeter Styrophor und Säcke Zement die ich verworfen habe traue ich mich nicht nachzuzählen.
Die Methode wurde danach von mir schon bei mehreren Rückwänden angewendet und funktionierte jedes Mal.
Andere Methoden funktionieren sicher ebenfalls, nur hat sich für mich diese
aufwändige Arbeit aber als die Beste herausgestellt.
Vielleicht haben andere das gleiche Problem:
Das Schwierigste war, das Motiv zu finden.
Da ich keine Phantasie und keine Kreativität oder irgendeine künstlerische Ader besitze, waren alle vorangegangenen Versuche am nächsten Morgen reif für die Tonne.
Alles wurde irgendwie gleichgroß, ausgewogen, symmetrisch und maßgenau. Kurzum: Durchdacht und langweilig.
Erst als ich mich an Bilder aus der Natur orientierte, den Zollstock wegwarf und mein Großhirn an die Garderobe hängte, kam ein Ergebnis heraus das mich selbst überraschte.
Maßgebend ist auch, dass man sich genug Zeit lässt und nicht glaubt eine Rückwand würde in einem Tag fertig.
Die Fertigstellung innerhalb einer Woche ist schon sehr schnell.
Hat man dazu noch Familie und mehrere Kinder, sind 4 bis 6 Wochen für mich realistisch.
Dafür hat man sich dann ein Unikat gebaut, das man nicht einmal mehr selbst noch mal so hinkriegen würde.
Die Rückwand besteht zu 100% aus weißem Zement, wird steinhart und löst sich nicht auf, was eine Beschichtung überflüssig macht.
Das Färben auf irgendeine Art ist meiner Meinung nach ausgemachter Blödsinn, weil durch den eintretenden natürlichen Bewuchs eine ebenso natürliche Färbung eintritt.
Diese Färbung ändert sich zudem je nach Lichtintensität, Beleuchtungsdauer, Jahreszeit und Fischbesatz.
Das Erscheinungsbild der Rückwand ist also sehr abwechselungsreich.
Die von mir beobachteten Farben sind braun, grün, grau und dunkelrot.
Mit der Zeit wird die Rückwand dadurch so schön, sodass sie meiner Meinung nach gekauften Rückwänden in Nichts nachsteht, um das mal vorsichtig auszudrücken.
Außerdem ist Selberbauen für die meisten Kerle und auch Frauen ein Höllenspaß und kann sogar Therapie sein.


Vorteile:

Materialkosten nur ca. 30 Euro (für 150 x 50 cm Größe)
Frei Wahl des Motivs
Versteckmöglichkeiten durch Höhlen hinter der Rückwand
Natürlicher Algenbewuchs auf Zement bei ausreichend Licht
Kein stagnierendes totes Wasser
Hinterströmung der ganzen Rückwand bis hin zum Filtereingang
Kein Befestigen oder Kleben nötig, weil Rückwand von alleine steht
Keine Beschädigung oder Gewichtsbelastung der Seitenscheiben
Sämtliche Technik wie Innenfilter und Heizung werden integriert
und sind somit nicht sichtbar
Bereits vorhandener Filter kann ebenso integriert werden
Kein Zurechtschneiden nötig, da Fertigung genau für das Aquarium passend
Weitere Einrichtungsgegenstände nicht unbedingt nötig, da die Rückwand der eigentliche Einrichtungsgegenstand sein kann
Pflanzen können in der Wand befestigt werden
Leicht wieder aus dem Becken zu entfernen wenn es nötig ist
Baufortschritt ist an der Zahl leerer Bierflaschen im Kasten ablesbar


Nachteile:

Relativ hoher Arbeitsaufwand (ca. 25 Stunden)
Fische die sich verstecken, sind nur mit Falle herauszufangen           


Benötigtes Material:

Bretter für das Model (wiederverwendbar)
Styrophor in gewünschter Größe und Dicke (den billigsten und leichtesten)
2 Säcke weißen Zement CEM1 (Dyckerhoff weiss), (für 150 x 50 cm Rückwand)
Sehr wenig Silikon, Farbe egal
Sehr wenig Acryl, Farbe egal
Holzleisten 15 x 15 mm
1 Kiste Bier 24er


Benötigtes Werkzeug:

1 Formstück zum Ziehen von Silikonwülsten
1 Eddingstift zum Zeichnen auf Styrophor
1 Zollstock zum Ausmessen
1 alte aber dichte Plastikschüssel zum Anrühren der Zementmischung
1 alte aber dichte Plastikschüssel für die gesiebte Mischung
1 Teesieb zum Sieben der Mischung
1 Schraubenzieher mit rundem Knauf zum Sieben der Mischung
1 alter Esslöffel zum Füllen des Teesiebs mit Zementmischung
1 Malerspachtel zum Rühren
1 altes Schälmesser mit kurzer Klinge zum Auskratzen des Styrophors
1 Tuschepinsel mit ca. 2 cm Streichbreite zum Kleckern
1 Küchenschwamm ohne Reinigungsmittel zum Erzeugen der Oberfläche
1 Wassersprühflasche zum Befeuchten der Rückwand
1 grobe Holzraspel um bei Bedarf Rückwand anzupassen
1 Heißluftgerät zum Schmelzen von Styrophor
1 Styrophorschneider (Eigenbau)


1. Aquarium innen ausmessen

Das einzurichtende Aquarium innen millimetergenau ausmessen, und auf einer Skizze notieren.
Nur Innenmaße sind Rückwandmaße.
Außenmaße interessieren nur den Möbeltischler.
Zusätzlich im Becken angebrachte Glasstreifen oder Stabilisierungsstreben  berücksichtigen.
Eventuell bestimmen sie die maximale Höhe der Rückwand.
Längs oder quer übers Becken verlaufende Stabilisierungen erfordern möglicherweise eine Herstellung in zwei Teilen.
Sie kann sonst nach Fertigstellung nicht ins Aquarium eingesetzt werden.
Alles schon mal vorgekommen.
Auch den Platz für den Innenfilter bedenken und millimetergenau ausmessen.
Wir wollen nachher vom Innenfilter nichts sehen.
Bei Einsatz eines Außenfilters ist lediglich ein kleiner Kanal für die Aufnahme des Saugschlauchs vorzusehen.
Die Druckseite mündet offen ins freie Becken.
 

2. Holzmodel bauen

Millimetergenaues Holzmodel für Hinterscheibe und Bodenscheibe mit den Innenmaßen des Aquariums bauen.
Dazu eignen sich Siebdruckplatten, Sperrholz, Multiplexplatten, MDF-Platten, Spanplatten, alte furnierte Küchenbretter oder was auch gerade da ist, mit ca. 1 cm Dicke.
Nicht dünner, aus Gründen der Stabilität.
Nicht dicker, weil sie für das Herausbrechen der Zementschale leicht biegsam bleiben müssen.
Bei saugfähigem Material vorher mit Klarlack versiegeln, da das Holz mit dem nassen Zement in Berührung kommt.
Die Platten werden mit Schrauben und Leim aneinander befestigt.
Beim Zusammenbau des Models auf genaue Winkeligkeit achten, da auch Aquarien genau winkelig sind.
Die Seitenscheiben des Aquariums begrenzen die fertige Rückwand links und rechts.
Dieses Maß wird am Model durch millimetergenaues Aufkleben von Holzleisten eingehalten.
Auch die im Aquarium vorhandenen schrägen Silikonwülste müssen im Holzmodel aufgebracht werden, da sonst ein Einbau der fertigen Rückwand ins Aquarium nicht genau genug möglich ist.
Der Platz den der Filter später einnehmen soll, wird durch einen genau passenden Styrophorblock als Dummy freigehalten und ins Holzmodel eingeklebt.
Das Holzmodel des Beckens kann immer wieder verwendet werden.
Mit dieser peniblen Arbeit hat man sich eine Flasche Bier verdient.
Prost!


3. Styrophorwand zuschneiden

Styrophorwand mit gewünschter Dicke und zugeschnittener Höhe und Breite ins Holzmodel stellen.
Nicht kleben!
Styrophorwand an den am Holzmodel liegenden Kanten anschrägen, damit die Silikonwulst des Holzmodels Platz hat.
Die Höhe der Styrophorwand entspricht der Höhe der späteren Rückwand.
Sie sollte etwa 2 cm höher sein als der vorgesehene Wasserspiegel und wird nach oben durch Glasstreben oder durch die Abdeckung mit ihren Beleuchtungskörpern begrenzt.
Der Abstand der Rückwand zu den Glasstreben oben sollte ca. 1 cm betragen, damit man beim späteren Einbau etwas Platz hat um die Rückwand minimal heben zu können.
Die Dicke der Styrophorwand entspricht der Dicke der späteren Rückwand.
Sie hängt von der Gesamttiefe des Aquariums und dem eigenen Geschmack ab.
Erfahrungsgemäß ist eine Wanddicke von 20% der Gesamttiefe des Aquariums ziemlich günstig.
Auch der Filterdummy muss in gewünschter Dicke und Höhe umbaut werden.
Wir wollen ja nachher den Filter wie gesagt nicht sehen.
Wird ein Mattenfilter eingebaut, sollte zwischen der Matte und der späteren Rückwand ein Spalt von ca. 1 cm bleiben.
Dieser dient zur Vergleichmäßigung der Eintrittsströmung in die Matte.
Also die Umbauung nur bis etwa 1 cm an den Filterdummy ranbauen.
Um allzu große Dicken zu vermeiden, kann bei der Filterumbauung auch mit dünnerem Styrophor gearbeitet werden.
Fällt nachher so gut wie nicht auf.
Alle Teile der so entstandenen Styrophorwand punktweise sparsam mit Silikon miteinander verkleben.
Wenige Silikonpunkte verwenden.
Auch diese genaue Arbeit sollte mit einer Flache Bier belohnt werden.
Prost!


4. Motiv aufmalen

Wer genug Kreativität besitzt, kann jetzt mit dickem Filzstift sein gewünschtes Motiv auf die Styrophorwand aufmalen und dann mit Schritt 11 weitermachen.
Alle anderen durch Logik, Ordnungssinn und Zollstock versauten Gehirne wie meins machen lieber hier im nächsten Schritt weiter.


5. Kästchenmuster aufzeichnen

Als Orientierungshilfe für die Übertragung des Motivs, ein Kästchenmuster aus senkrechten und waagerechten Strichen mit 10 cm Abstand auf die Styrophorwand zeichnen.
Für die Durchführung dieser scheinbar schwachsinnigen Arbeit ist eine Belohnung notwendig.
Prost!


6. Motiv aussuchen

Beim Aussuchen des Motivs sollte man sich Zeit lassen.
Dazu kann man Felsenbilder, Steinbilder aus dem Internet, eigene Aufnahmen aus der Natur, Bilder bereits existierender Rückwände, irgendwelche Steinformationen in Trockenmauern aus Gärten oder aber auch (bitte nicht lachen) das Bild der Oberseite eines selbstgebackenen Brotes verwenden.
Auch Bilder des Wattbodens bei Ebbe enthalten wunderbare Formen.
Selbst die schroffe Rinde einer Eiche taugt zum Nachbau.
Die Zeichnung auf dem Bauch einer Kuh kann die Fantasie anregen.
Eine kleine Stelle auf einem natürlichen Stein kann stark vergrößert zu einem einzigartigen Vorbild werden.
Abbruchkanten in Sandhaufen sind ebenfalls lohnende Motive.
Die Natur ist im Herstellen von zufälligen Anordnungen unschlagbar.
Diese Bilder müssen nicht von hervorragender Qualität sein, sollten aber in digitaler Form vorliegen.


7. Motiv auf Format bringen

Das gewählte Motiv muss nun mittels PC und z.B. Microsoft Photo Editor (in Windows enthalten) durch Ausschneiden, Strecken und Stauchen auf das genaue Format der Styrophorwand gebracht werden.
Wichtig ist nicht so sehr die Größe des dabei erzeugten Bildes, sondern das Format.
Also das Verhältnis von Breite zu Höhe.
Eine Rückwand für ein Aquarium mit den Außenmaßen 150 x 50 x 50 cm benötigt bei 10 mm Glasdicke eine Rückwand mit den Maßen z.B. 148 x 46 cm.
Durch die Filterumbauung kommen noch weitere z.B. 10 cm hinzu.
Das ergibt 158 x 46 cm und damit ein Format von 158 : 46 = 3,43 : 1.
Die Vorlage muss auf eben dieses Seitenverhältnis gebracht werden.
Also gerundet z. B.  20 x 6 cm oder auch 18 x 5 cm oder auch 15 x 4,5 cm.
Dieses auf passendes Format gebrachte Bild ausdrucken.


8. Strukturen betonen

Die wichtigsten Strukturen dieser Vorlage mit einem, dünnem Filzstift oder Füller hervorheben.
Aber wirklich nur die markantesten Linien, Brüche oder Löcher.
Bitte nicht zu kleinlich vorgehen.
Eher große Formen aussuchen.
Filigran genug wird es schon noch von alleine.
Wenn möglich, bitte einen Spalt komplett ohne Unterbrechung durchs Motiv gehen lassen.
Dieser Spalt darf krumm, geknickt, dick, dünn oder was weiß ich sein.
Er sollte aber über die gesamte oder fast gesamte Rückwand gehen.
Wie ein Rückgrat bringt er eine Beruhigung in die Struktur der späteren Rückwand und wirkt für das Auge als Bezugspunkt.
Einfach mal mehrere Beispiele anschauen und hieraufhin überprüfen.
Auf jeden Fall habe ich die Erfahrung gemacht, dass Motive die dieses Merkmal haben sehr viel besser wirken.
An dieser Stelle war nun doch eine geringe Menge Kreativität notwendig.
Prost!


9. Kästchenmuster aufzeichnen

Das Kästchenmuster der Styrophorwand auch auf die Vorlage maßstabsgerecht übertragen.
Die Vorlage soll nachher genauso viele quadratische Kästchen waagerecht und senkrecht haben wie die Styrophorwand.


10. Strukturen übertragen

Mit dem Kästchenmuster als Orientierungshilfe können jetzt genau genug die mittels dünnem Filzstift hervorgehobenen Strukturen von der Vorlage auf die Styrophorwand übertragen werden.
Es kommt dabei nicht auf den Zentimeter an.
Für das aufkommende Verständnis für diese Methode ist eine Flasche Bier als Belohnung wichtig.
Prost!


11. Wand entnehmen

Styrophorwand aus dem Holzmodel nehmen.


12. Stücke schneiden

Styrophorwand entlang der aufgemalten Strukturen mit Styrophorschneider in Stücke schneiden.
Nicht entlang der Kästchen schneiden, sie dienten nur als Orientierung.
Es entsteht eine Art Puzzle.
Der Bau eines Styrophorschneiders wird am Ende der Anleitung beschrieben.
Für den Bau dieses Styrophorschneiders eine Flasche Bier.
Prost!


13. Stücke anschrägen

Jedes dieser Stücke mit dem Heißluftgerät zunächst so an den Schnittkanten anschrägen, dass ein ausreichender Spalt von ca. 3 cm zu Nachbarstück entsteht, aber die Grundfläche, also die Fläche des Stückes die am Holzmodel anliegt nicht verändert wird.
Die Oberkante und die Unterkante der Styrophorwand nicht anschrägen, da sie weiterhin die obere und untere Begrenzung der Rückwand bilden.
Die Seiten der Styrophorwand links und rechts können auch nach Geschmack stärker angeschrägt werden.
Hier befinden sich ja später die Seitenscheiben.
Aber immer die Grundfläche der einzelnen Stücke unangetastet lassen.
Beim Schmelzen von Styrophor auf gute Belüftung achten, sonst wird man vom Gestank wahnsinnig.
Alles schon mal vorgekommen.
An dieser Stelle kann eine Flasche Bier nicht schaden.
Prost!


14. Stücke bearbeiten

Jetzt die Stücke einzeln in die Hand nehmen und mit Heissluftgerät entweder nach eigener Kreativität, oder aber so weiterbearbeiten als wenn man das Motiv der Vorlage kopieren wollte.
Dabei die ganze Dicke nutzen, das heißt einige Stellen schaffen an denen wenig bis nichts weggeschmolzen wurde und einige Stellen schaffen an denen fast alles weggeschmolzen wurde.
Durch dieses Spiel verschiedener erzeugter Dicken verleiht die spätere Rückwand dem Becken den entscheidenden Eindruck von Tiefe.
Das genaue Kopieren der Vorlage klappt sowieso nicht, aber durch Zollstock und Ordnung versaute Menschen wie ich, erreichen auf diese Weise auch ohne Kreativität ein hervorragendes Ergebnis.
Man muss sich nur stur an diese Vorgehensweise halten, sonst verfällt man wieder in eine Arbeitsweise die ordentliche, symmetrische, gleichgroße Formen und langweilige Oberflächen erzeugt.
Nichts sieht schlimmer aus, als sich wiederholende Strukturen auf einer Aquarienrückwand.
Aber immer die Stücke einzeln bearbeiten, sonst orientiert man sich beim Formen am Nachbarstück.
Wir wollen ja möglichst den Zufall mitspielen lassen.
Die Struktur am unteren Rand der Rückwand so wählen, dass an einigen Stellen die fast volle Dicke erhalten bleibt.
Auf diesen „Füßen“ steht nachher die Rückwand selbstständig auf der Bodenscheibe und kippt nicht um.
Im Bereich der Beleuchtung die Stücke so bearbeiten, dass die Lampen nachher nicht hinter die Rückwand scheinen.
Wird der Ausgang der Filterpumpe nicht über die Filtermatte hinweg geführt, sondern verläuft durch die Matte hindurch, so ist jetzt auch an entsprechender Stelle ein Loch im Styrophor vorzusehen.
Nach dem Schmelzen jedes Stückes sollte man die losen Styrophorreste die noch dranhängen mit der groben Hand abkrümeln.
Für diesen aufwendigen Schritt dürfen wir uns Einen genehmigen.
Prost!


15. Stücke ins Model kleben

Die fertig bearbeiteten Stücke mit nur sehr wenig Klebepunkten, ähnlich einem Puzzle, passend aufs Holzmodel kleben. Jetzt zahlt sich aus warum die Grundfläche die einzelnen Stücke nicht verändert werden sollte.
Das Kleben erfolgt am besten mit Acryl (Silikon geht aber auch), da es sich später leichter entfernen lässt.
Wenn alle Stücke auf das Holzmodel geklebt sind, erkennt man schon sehr gut die künftige Rückwand.


16. Wartezeit

Das Acryl einige Zeit trocknen lassen.
Wartezeiten sind immer sinnvoll zu nutzen.
Prost!


17. Spalten vergrößern

Jetzt können die Spalten zwischen den aufgeklebten Stücken mit dem Heißluftgerät auch auf der Gründfläche, also am Holz, vergrößert werden.
Auch sollte an dieser Stelle zwischen dem Styrophor und den Holzleisten rechts und links (spätere Seitenscheiben), das Styrophor soweit entfernt werden, dass eine Lücke von 1 bis 2 cm entsteht.
Durch diese Lücke bildet sich nachher ein stabiler Zementrand.
Das Heißluftgerät auf niedrigster Stufe betreiben, weil sonst die Stücke
zu stark unterschmolzen werden, und der Zement später darunterfließt.
Alles schon mal vorgekommen.
Das Holz ist nun durch alle Spalten sichtbar.
Die Breite der Spalten ist mit 1 cm am Holzmodel und 3 cm im vorderen Bereich sehr gut, man kann aber ohne weiteres nach Geschmack davon abweichen.
Ein Tuschepinsel mit ca. 2 cm Breite sollte dennoch anschließend zumindest längs dazwischenpassen, da auch die Flanken in den Spalten noch zementiert werden.
Lose Stücke wieder abkrümeln.


18. Strömungsdurchtritte vorsehen
 
Halbkreisstücke aus Styrophor mit ca. 5 bis 7 cm Durchmesser und so dick wie die Spalten (ca. 2 cm) an den Stellen in die Spalten drücken, durch die nachher die Hinterströmung der Rückwand mittels  Durchlässen gewährleistet werden soll.
Dadurch reichen die Spalten an diesen Stellen später nicht bis an die Hinterscheibe, sondern geben einen halbkreisförmigen Durchlass frei.
Diese Stellen sollen ja vom Zement frei bleiben, während der Rest des Spaltes schlüssig bis an die Hinterscheibe geht und plan anliegt.
Sinnigerweise sind die Orte der Durchlässe so zu wählen, dass die Strömung durch die Löcher in der Wand, und weiter durch diese Durchlässe hinter der Wand her zum Filtereingang führen kann.
Dieses war jetzt eine Denksportaufgabe für die es einer Belohnung bedarf.
Prost!


19.  Stellung wechseln

Holzmodel auf den Rücken legen.


20.Zementmischung anrühren

Mischung aus weißem Zement und Wasser anrühren.
Keinen Sand dazumischen.
Die Beschaffenheit der Mischung sollte gut fließend sein, ähnlich Tomatenketchup.
Die ganz Wahnsinnigen drehen die Mischung mittels eines Schraubenzieherknaufs durch ein Teesieb in die zweite Schüssel um absolut keine Klümpchen und Körnchen zu erhalten.
Das hört sich schlimmer an als es ist.
Auch alle folgenden Mischungen werden so behandelt.
Der Zement dankt es euch.


21. Zement in die Spalten bringen

Die angerührte Zementmischung mit dem Tuschepinsel auf die jetzt am Boden liegenden Spalten, also am Holz, verteilen bis diese Schicht ca. 1 bis 2 cm dick ist.
In diesem Schritt wirklich zunächst nur die Spalten füllen.
Die Zementmischung auch zwischen Styrophor und den seitlichen Holzleisten (spätere Seitenscheiben) aufbringen.
Hier bitte so auftragen, dass man von der Silikonwulst an der Seite der Holzleiste noch ganz wenig sehen kann.
Dazu eventuell mit dem Schälmesser parallel zur Leiste über die Silikonwulst kratzen.
Dies erzeugt einen geraden Abschluss der späteren Rückwand an den Seitenscheiben.
Der Abschluss später im Aquarium ist dadurch optimal, weil man die Rückwanddicke durch die Seitenscheibe nicht sieht, weil sie durch die Silikonwulst verdeckt ist.
Darauf achten, dass auch die dazwischengedrückten halbkreisförmigen Styrophorstücke für die Durchlässe ausreichend mit Zementmischung bedeckt sind.
Man braucht nicht zu streichen, sondern kann großzügig die Spalten vollkleckern.
Ein bisschen fließt der Zement zwischen Styrophor und Holzmodel.
Dies erhöht die Stabilität und ist durchaus erwünscht.


22. Wartezeit

Unter einem feuchten Tuch abbinden lassen nur bis der Zement sich fingerfest anfühlt.
Das ist nach ca. 3 bis 6 Stunden der Fall.
Nicht komplett trocken abbinden lassen, denn es folgen noch weitere Schichten.
Schon wieder eine Wartezeit.
Prost!


23. Löcher vorsehen

In den Styrophor nun an einigen Stellen Löcher für den Srömungseintritt und für die Fische als Höhleneingange vorsehen.
Sinnigerweise auch hier darauf achten, dass zusammen mit den halbkreisförmigen Strömungsdurchlässen eine Strömung hinter der Wand zum Filtereingang möglich ist.
Die Löcher kann man je nach Geschmack sichtbar oder so anordnen, dass sie von vorne nicht sichtbar sind, z. B. unterhalb von Vorsprüngen oder Überhängen.
Dazu mit einem Messer oder ähnliches ein kleines Loch in das Styrophor stechen oder schneiden.
Danach vorsichtig mit dem Heißluftgerät auf kleinster Stufe größer schmelzen.
Das Loch wird nun von allein größer und tiefer.
Die Endgröße richtet sich nur nach der Größe der zu haltenden Fische, und nach der Entscheidung ob sich die Fische überhaupt verstecken können sollen.
Für die eigentliche Strömung an sich ist die Größe der Löcher eher unwichtig.
Man kann auf diese Weise auch ovale oder schlitzförmige Löcher erzeugen.
Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Für diese erneute Denksportaufgabe ist eine Flasche Bier erlaubt.
Prost!


24. Zementmischung anrühren

Mischung aus weißem Zement und Wasser (Beschaffenheit Tomatenketchup) anrühren und mit einem Schraubenzieherknauf durch ein Teesieb drehen.


25. Vorderseite bearbeiten
 
Die Zementmischung mit dem Tuschepinsel auf die restlichen Flächen Styrophor verteilen.
Großzügig auftragen bis alles Styrophor von Zement bedeckt ist, aber der ja frische Zement nicht bis tief in die Spalten rutscht.
Diese sind ja bereits voll Zement.
Das Ergebnis dieser ersten Schicht Zement sieht noch sehr unfertig und entmutigend schlecht aus, aber das ist nicht wichtig.
Entscheidend ist, dass überall erstmal etwas drauf ist.
Nur nicht beirren lassen, es kommt schon.
Die Oberfläche wird nach jeder Schicht zusehends schöner.
Die Löcher für die Strömung werden innen nicht bestrichen.
Der Zementbelag reicht nur bis zum äußeren Rand der Löcher.
Das weitere Vorgehen ist wirklich Schicht für Schicht.
Es geht nicht mit mir durch.
Würde man versuchen die erforderliche Dicke durch eine einzige Schicht zu erzeugen verwäscht man ja die beim Schmelzen entstandenen zufälligen, filigranen Strukturen.
Schade drum.
Außerdem würde diese große Menge Zementmischung von alleine in die tieferen Stellen rutschen, und die Tiefenwirkung der Rückwand verringern.
Also Geduld.


26. Wartezeit

Diese erste Schicht unter einem feuchten Tuch leicht abbinden lassen.
Also ungefähr wieder 3 bis 6 Stunden.
Für das Durchhalten bis hier nutzen wir die Pause sinnvoll.
Prost!


27. Zementschicht und Wartezeit

Zweite Schicht auftragen und unter einem feuchten Tuch 3 bis 6 Stunden abbinden lassen.
Wartezeit nutzen.
Prost!


28. Zementschicht und Wartezeit

Dritte Schicht auftragen und unter einem feuchten Tuch 3 bis 6 Stunden abbinden lassen.
Siehe oben.
Prost!


29. Zementschicht auftragen

Vierte Schicht mit waagerechten Streichbewegungen auftragen.
Dies ist wichtig für die spätere verwitterte Oberflächenstruktur.
Insgesamt sollte die Zementschicht jetzt ca. 1 cm dick sein.
Sie ist damit nach dem Abbinden stabil genug um nach dem Herausschmelzen des Styrophors von alleine zu halten.


30. Wartezeit

Jetzt alles komplett 1 bis 2 Tage unter einem feuchten Tuch abbinden lassen.
Bis hier durchgehalten ist sehr gut.
Prost!


31. Rückwand aus Model entfernen

Rückwand vorsichtig durch Biegen der Platten des Holzmodels (Holz biegt sich, Zement aber nicht) herunterbrechen.
Nur Mut.
Der Zement löst sich komplett ab, das Styrophor auch, und umso besser, je weniger er vorher mit Acryl geklebt wurde.
Nach dieser nervenaufreibenden Aktion tut Beruhigung Not.
Prost!


32. Stellung wechseln

Herausgebrochene Rückwand so aufstellen, dass man von hinten aufs Styrophor schaut.
Sie sollte bereits von alleine stehen.
Trotzdem bitte aufpassen, dass sie nicht umkippt.


33. Styrophor herausschmelzen

Styrophor mit Heißluftgerät aus der Zementschale herausschmelzen.
Es schmilzt komplett weg und auf winzige Tropfen zusammen.
Wieder auf gute Belüftung achten.
Die Flasche Bier jetzt dient nur der Gesundheit.
Prost!


34. Styrophorreste entfernen

Nach dem Erkalten das zusammengelaufene und in Tropfen hängende Styrophor mit einem Messer vom Zement abbrechen oder abkratzen.
Möglichst viel wegbekommen.


35. Grate entfernen

Die Grate im Zement mit der Spitzzange abbrechen.
Die Strömungsdurchlässe ebenfalls freibrechen.
Die Ränder der Löcher auch sauberbrechen.
Der Hobbyraum sieht zu dieser Zeit aus wie Sau.
Nach dieser fieseligen Arbeit ist eine Belohnung obligatorisch.
Prost!


36. Stellung wechseln

Rückwand vorsichtig mit der Vorderseite nach unten hinlegen.
Sie liegt jetzt also auf dem Gesicht.
Eventuell an einigen Punkten mit Styrophorbrocken abstützen damit sie nicht bricht.
Sie wird in den nächsten Schritten nämlich einiges an Gewicht zunehmen.
Das Vorgehen bei Brüchen ist am Ende der Anleitung beschrieben.


37. Zementmischung anrühren

In ausreichender Menge Zementmischung mit Beschaffenheit wie Ketchup anrühren, und dann mit Schraubenzieherknauf durch Teesieb drehen.


38. Rückseite bearbeiten

Jetzt auf die freigekratzte Rückseite eine ca. 1 cm dicke Zementschicht großzügig und glatt auftragen, oder besser gesagt kleckern.
Zementmischung dabei nur in die Stellen streichen wo vorher Styrophor war.
Die Wand soll nachher ja flächig an der Rückscheibe stehen.
Dabei auch die halbkreisförmigen Strömungsdruchtritte und die Ränder der Löcher retuschieren.
Durch diese Schicht erreicht die Rückwand ihre hohe Stabilität und letztlich eine Dicke von 1,5 bis 2cm, an engen Stellen auch durchaus mehr.


39. Wartezeit

Die Wand unter einem feuchten Tuch 1 bis 2 Tage abbinden lassen.
Diese Wartezeit ist für die Stabilität zwingend erforderlich.
Prost!


40. Stellung wechseln

Rückwand vorsichtig und notfalls zu zweit auf den Rücken legen.


40. Zementmischung anrühren

Geringe Menge (Suppenteller) Zementmischung anrühren, die flüssig wie Buttermilch ist und mit Schraubenzieherknauf durch Teesieb drehen.


42. Vorderseite bearbeiten

Die Vorderseite mittels einer Sprühflasche mehrmals anfeuchten.
Die letzte Schicht soll nämlich gut abbinden.
Mit Tuschepinsel Zementmischung auf Vorderseite sparsam auftragen.
Dabei nur waagerecht steichen.
Diese Schicht ist die Letzte und sollte möglichst glatt sein.
Auch die Ränder der Löcher streichen und schöntupfen.
Man kann nach leichtem Abbinden die Oberfläche verbessern, indem man noch einmal mit Tuschepinsel und reinem Wasser über den Zement streicht.
Das wirkt manchmal Wunder.
Aber immer nur waagerecht streichen.
Es entsteht eine insgesamt glatte Oberfläche mit einer Struktur aus waagerechten Pinselstrichen.


43. Wartezeit

Unter einem feuchten Tuch einen Tag abbinden lassen.
Wir nutzen den Tag in gewohnter Weise.
Prost!

 
44. Zementmischung anrühren

Eine geringe Menge (Kaffeetasse) trockener Zementmischung anfertigen.
Die Beschaffenheit sollte etwas krümelig ähnlich wie Quark sein.
Hier sparen wir uns die Aktion mit dem Teesieb.


45. Oberfläche verwittern

Diese Mischung mit einem nur leicht feuchten Haushaltsschwamm in kleinen Mengen sparsam und jetzt senkrecht und auch nicht überall auftragen.
Nur auftragen wo die Fläche groß genug ist.
Also nicht in den Spalten und auch nicht an filigranen Stellen.
Es entsteht der Eindruck einer verwitterten Oberfläche.
Das Ergebnis darf leicht trocken und spröde aussehen.
Man bekommt von selbst ein Händchen dafür.
Letzte Retuschierungen können ebenfalls damit erfolgen.
Dieser Schritt kann je nach Geschmack auch weggelassen werden.
Mit sieht aber rattenscharf aus, vor allem nachher unter Wasser.


46. Wartezeit

Unter einem feuchten Tuch 3 Tage abbinden lassen.
Die Rückwand ist jetzt im Grunde fertig und wir belohnen uns.
Prost!


47. Einbau der Rückwand

Die Rückwand hat eine Stabilität, die es je nach gewähltem Motiv ermöglicht freitragend, liegend 1,5 m zu überbrücken.
Alles schon ausprobiert.
Trotzdem sollte man sie vorsichtig und nur aufrecht transportieren.
Rückwand langsam mit 2 Mann ins noch leere Aquarium stellen.
Sollte passen.
Zement kann mit einer Holzraspel oder Eisensäge noch bearbeitet werden, wenn der berühmte Millimeter zu viel ist.
Alles schon mal vorgekommen.
Wand steht jetzt flächig an der Hinterscheibe an.
Sie steht von allein und kippt nicht um.
An dieser Stelle ist eine Flasche Bier Pflicht.
Auch für den freundlichen Kollegen der half die Rückwand einzusetzen.
Prost!
Kreative haben zu diesem Zeitpunkt 3 Flaschen Bier weniger getrunken.
Selber schuld.
Das Becken kann jetzt eingerichtet werden.
Durch den Zement kommt es in der ersten Zeit zu einer Aufhärtung des Wassers.
Dies kann durch geeignete Teilwasserwechsel begrenzt werden bis keine Aufhärtung mehr erfolgt.
Bei Neueinrichtungen ist sowieso die Zeit notwendig um den Filter und das Wasser einzufahren.
Nach drei Wochen sollte die Einfahrphase vorbei sein, und die Rückwand erhöht die Härte nicht mehr.



Maßnahmen bei Brüchen

Sollte mal ein Stück abbrechen oder gar die ganze Wand durchbrechen, ist es überhaupt nicht schlimm.
Alles schon mal vorgekommen.
Einfach die Bruchstücke auf dem Holzmodel sorgfältig flach ausrichten, damit sie so sitzen wie vor dem Bruch.
Auf Winkeligkeit achten.
Die Bruchfugen mit sehr wässeriger Zementmischung (Buttermilch) füllen, nicht abbinden lassen, sondern nur kurz trocknen lassen, und anschließend Bruchfugen mit dickerer Mischung (Ketchup) großzügig und beidseitig überstreichen.
Schwer zugängliche Stellen zunächst nicht behandeln, sondern die neue Stabilität abwarten und danach ausbessern.
3 Tage unter einem feuchten Tuch abbinden lassen.
Fertig.
So stabil wie vorher und Bruch nicht mehr vorhanden und nicht mehr sichtbar.
Zement ist sehr gutmütig.


Bau eines Styrophorschneiders

Diese Anleitung ist nur ein Beispiel.
Ein Styrophorschneider lässt sich auf elfundneunzig verschiedene Arten und Weisen bauen.
Ziel ist jeweils einen beheizten Widerstandsdraht durch Styrophor zu führen. Dabei „sägt“ man das Styrophor in Stücke.
Die Schnitte sind sehr schmal und sehr sauber.
Das Führen des heißen Drahtes kann ohne weiteres auch von Hand erfolgen.
Die Styrophorwand muss nur etwas festgesetzt werden.
Der Draht wird dann mit beiden Händen unter Zug links und rechts festgehalten und durch das Styrophor geführt.
Man kann den Draht auch senkrecht zwischen einem befestigten biegsamen Stab und der Arbeitsplatte spannen.
Dieser Stab ist mit Schraubzwinge an einem Regal oder ähnlichem befestigt.
Das Styrophor kann nun durch Schieben auf der Arbeitsplatte geschnitten
werden.
Geheizt wird mit einem einstellbaren Netzteil oder Autobatterieladegerät.
Der Heizdraht kann mit Aderendhülsen an die Netzteilkabel angequetscht werden.
Jede andere Lösung führt sicher auch zum Erfolg.


Benötigte Sachen:

Einstellbares Netzteil, bis 12V reicht
Widerstandsdraht, ca. 25 bis 30 cm
Einadrige Kabel
2 Aderendhülsen
Schraubzwinge
biegsamer Stab aus Holz oder Metall
Kabelbinde
r

 

Hier noch einige Fotos