Cichlidenfreunde Emsbüren e.V.

Die Wasserchemie

pH-Wert (pH)
Der pH - Wert gibt das Verhältnis von Säuren und Basen (Laugen) in einem Wasser an. Bei einem pH von 7 sind saure und basische Bestandteile zu gleichen Teilen vorhanden. Liegt der pH-Wert unter 7 überwiegen die Säuren, man spricht von „saurem Wasser“. Über einem pH von 7 liegen mehr Basen vor, das Wasser ist alkalisch.

Gesamthärte (GH)
Die Gesamthärte ist die Summe aller Erdalkaliionen, wie z.B. Calcium- oder Magnesiumionen und in Spuren auch Strontium und Barium in ionisierter Form. Calcium und Magnesium stellen mit ca. 80% den Großteil an im Wasser gelösten Ionen.

Karbonathärte (KH)
Die Karbonathärte ist ein Maß für die an Hydrogencarbonat (HCO3) gebundenen Calcium- oder Magnesiumionen.
Sie ist im Normalfall deutlich niedriger als die Gesamthärte, da jedem Hydrogencarbonat ein Calcium- oder Magnesiumion zugeordnet werden muß. In manchen Wässern kann es vorkommen, daß die KH höher als die GH ist. Wie kann so etwas passieren? Es gibt KH-plus Präparate, die keine richtige Karbonathärte enthalten, sondern Natriumhydrogencarbonat oder Kaliumhydrogencarbonat. Das ist etwas völlig anderes, als Kalzium- oder Magnesiumhydrogencarbonat, die „echte“ Karbonathärte. Fragen Sie im Zweifelsfall direkt bei den Herstellern nach.
Es gibt aber auch natürlich vorkommende Wässer, bei denen die KH höher als die GH ist. Bei diesen Wässern liegt zuwenig Magnesium oder Calcium vor, so daß sich die Hydrogencarbonate mit anderen zusammen tun. Der KH-Tropfentest mißt aber nur die Hydrogencarbonate und nicht die für die Funktion wichtigen Partner, so daß dieses Meßergebnis zustande kommen kann. Karbonathärtebildner reagieren alkalisch, Wässer mit hoher Karbonathärte besitzen also einen hohen (basischen) pH-Wert. Die KH hat eine sehr wichtige Pufferaufgabe in unserem Aquarium. Sie kann den ungebremsten Anstieg oder Absturz des pH-Wertes verhindern. Wie funktioniert das?
Beobachtet man bei seinen regelmäßigen Wassertests eine Abnahme der Karbonathärte, so ist Vorsicht geboten! Wenn alle Karbonathärte aufgebraucht ist, wird der pH-Wert durch den Ausfall des Puffersystems extrem instabil und kann in kurzer Zeit ungebremst auf weit über 8 oder unter 4 pendeln - je nach Vorhandensein von Säuren oder Basen im Wasser. Zersetzen sich dann Futterreste oder ein toter Fisch, kann es schnell zu einem gefährlichen pH-Abfall kommen.
Man kann bei dem Vorgang der biogenen Entkalkung einen Kalküberzug an den Pflanzenblättern finden, dem Ort, an dem Wasser die Karbonathärte entzogen wird.

Phosphat-Wert
Anders als der Nitrat-Wert, dem gerne und viel Beachtung geschenkt wird, führt der Phosphat-Gehalt häufig noch ein Stiefkind-Dasein. Doch gerade der Phosphat-Wert ist häufig die Ursache für starkes Algenwachstum und eine schlechte Gesamtkonstitution der Fische, die in extremen Fällen sogar zum Tod der Tiere führen kann. 0,5 mg/l Phosphat sollten nicht überschritten werden, da sonst eine Planktonmassenvermehrung nicht ausgeschlossen werden kann. Wir haben bei verschiedenen Wasseruntersuchungen Phosphatwerte von 20-40 mg/l gemessen. Bei diesen Aquarien wurde auch eine stark erhöhte Fischsterblichkeit beobachtet. Phosphat wird dem Aquarium durch Fischfutter zugeführt. Die entstehenden Zersetzungsprodukte von nicht gefressenem und verdautem Futter machen den Haupteintrag von Phosphat aus. Normaler Pflanzendünger ist für den Einsatz im Aquarium ungeeignet, da dieser auch Phosphate (und Nitrat) als Pflanzennährstoff enthält. Ein regelmäßiger Wasserwechsel von 25% des Beckenvolumens einmal pro Woche ist eine gute Vorbeugung gegen zu hohe Nährstoffbelastung.

Ammonium (NH4+) Ammoniak (NH3)
Das erste Abfallprodukt ist Ammoniak (NH3), welches über die Kiemen ausgeschieden wird und im Wasser sofort zu einem Ammonium (NH4+) reagiert. Ammonium ist für die Fische ungiftig und ein wichtiger Pflanzennähstoff, zerfällt jedoch bei hohen Temperaturen und alkalischem pH-Wert schnell wieder in freies Ammoniak und Wasser. Dann haben wir ein großes Problem, denn NH3 ist die giftigste der hier vorgestellten Stickstoffverbindungen. Bereits 0,1-0,5 mg/l freies Ammoniak können tödlich sein. Bei einem plötzlichen pH-Anstieg kann diese bedrohliche Situation eintreten.
Die folgenden beschriebenen Schritte nennt man im Fachdeutsch „Nitrifikation“. Im ersten Schritt werden Ammoniak oder Ammonium von Nitrosomonas-Bakterien unter Sauerstoffverbrauch zu Nitrit (NO2-) umgewandelt ( unter Sauerstoffverbrauch = oxixiert).

Nitrit (NO2-)
Nitrit ist weniger giftig als Ammoniak, jedoch reichen 1-5 mg/l, um ein Fischsterben einsetzen zu lassen. Schnappen die Fische mit schwerer Atmung nach Luft, sind lustlos und schießen manchmal ohne Grund und Motivation durch das Becken, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Nitritvergiftung vor und man sollte den Nitrit-Wert testen. Besonders bei Neueinrichtung eines Aquariums oder nach Medikamentenzugabe ist es sinnvoll den Nitrit-Wert zu kontrollieren. Abhilfe bei einem hohen Nitrit- Wert schafft ein sofortiger Teilwasserwechsel.

Nitrat (NO3-)
Im nächsten Schritt der Nitrifikation arbeiten Nitrobacter-Bakterien Nitrit in Nitrat (NO3-) um. Bei diesem Schritt wird ebenfalls Sauerstoff verbraucht. Nitrat ist weniger giftig als Nitrit, jedoch sollte der Nitrat-Wert nicht über 50 mg/l steigen. Bei höheren Werten sinkt das allgemeine Wohlbefinden der Fische und Algenwachstum wird begünstigt. Nitrat ist das Endprodukt der Nitrifikation und wird durch gut wachsende Wasserpflanzen, Wasserwechsel oder anaerobe Prozesse z. B. im Bodengrund biologisch sinnvoll entfernt.

Gelöste Salze im Wasser
Diese wirkt sich direkt auf die Osmoregulation und das Wohlbefinden der Fische und Pflanzen aus. Wird ein Fisch ständig bei nicht für ihn geeigneten Salinitätswerten gehalten, bedeutet das für Ihn ständigen „Osmostreß“, d.h. er ist bemüht die ungünstigen Werte in seinem Körper auszugleichen. Hierdurch wird sein körperlicher Allgemeinzustand verschlechtert und seine Resistenz gegen Krankheiten gesenkt. Angegeben wird der Salzgehalt im Meerwasser in Gramm gelöster Substanzen pro Liter (1 Liter = 1000 g). Die Salinität des Meerwassers reicht von 30-34 g/l (Ceylon oder Philippinen) bis zu 40 g/l (Rotes Meer).
Dabei treten durch die Größe und das Volumen der Ozeane in den jeweiligen Regionen fast keine Schwankungen im Salzgehalt auf. Gerade dieser Umstand ist bei der Haltung von Meerestieren zu beachten, da diese nach Jahrmillionen der Evolution an konstante Verhältnisse angepaßt sind und auf Veränderungen der Salinität (z.B. Verdunstung) nur sehr schlecht reagieren können.
Eine mögliche Methode den Salzgehalt zu messen, ist die Bestimmung des spezifischen Gewichts mit Hilfe eines Dichtemessers. Je nach Herkunftsort besitzt Meerwasser eine Dichte von 1,022 - 1,027.
Die ander Art der Messung des Salzgehaltes ist das Leitwertmessgerät: In unserem Aquarienwasser sind elektrisch geladene Salzteilchen (Ionen) enthalten. Wenn eine Spannung angelegt wird, ermöglichen diese Ionen einen Stromfluß im Wasser. Man spricht hier von der Leitfähigkeit des Wassers. Destilliertes Wasser enthält z.B. keine Ionen und leitet keinen Strom. Je mehr Ionen unser Wasser enthält und je beweglicher die Ionen sind, desto schneller wird der Strom geleitet und desto höher ist die Leitfähigkeit. Wasser mit hoher Leitfähigkeit besitzt auch eine hohe Gesamthärte. Die elektrische Leitfähigkeit erlaubt Rückschlüsse auf den Gesamtsalzgehalt des Wassers. Süßwässer sind sich in ihrer Zusammensetzung sehr ähnlich, so daß man von einem „Standard - Ionenverhältnis“ sprechen kann. Die meisten Süßwasserfische lieben ein weiches, mineralstoffarmes Wasser mit geringer Leitfähigkeit. Die elektrische Leitfähigkeit ist ein Summenmerkmal. Bestimmungen von Art und Menge der Ionen bzw. gelösten Salze sind nicht möglich. Das Meßergebnis wird angegeben in Mikro-Siemens pro Zentimeter (µS/cm). In den meisten Gewässern wird die Leitfähigkeit hauptsächlich verursacht durch die Salze der Härtebildner. Als grober Richtwert ergibt sich je 1 °d Gesamthärte eine Leitfähigkeit von 33 µS/cm.
Werden z.B. in einem Wasser von 10 °d GH nicht ungefähr 330 µS/cm, sondern 420 µS/cm gemessen, dann sind neben den Calcium - und Magnesiumsalzen noch sehr wesentliche Mengen anderer Salze enthalten. Das können z.B. Natriumsalze oder Kaliumsalze sein. Aquaristisch besonders wichtig ist der Leitwert bei der Zucht von empfindlichen Fischen oder dem Umsetzen von Pfleglingen in unterschiedliche Wässer.

Leitwert (µS)
Für Südamerikabecken sind Leitwerte von 100-300 µS/cm empfehlenswert, der Wert für das Gesellschaftsaquarium kann ruhig etwas höher liegen, 300 µS/cm (mittelhart) bis 500 µS/cm (hart). Das Tanganjikaseeaquarium darf durchaus einen Leitwert von 600µS/cm aufweisen.
Für das Meerwasseraquarium sollte der Leitwert zwischen 48 und 52 mS/cm liegen.

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